Wo aus Unterstützung neue Perspektiven entstehen

Wenn unsere CAP.finisher ihre Ausbildung beenden, eröffnen sich ihnen viele Wege. Für die Jungs heißt es meist noch ein Jahr aufs Studium warten und dieses Jahr beim Bundesheer oder im Zivildiensts absolvieren. Immer öfter zieht es die Absolventen dafür ins Ausland. So auch Sebastian Feichtinger, CAP.finisher des Jahrgangs 2021. Er leistet in Bolivien einen wunderbaren Beitrag, Kinder in die Welt der Technik einzuführen. Dank des CAP.finisherclus hat er dazu auch die finanziellen Möglichkeiten. Wie er neue Perspektiven schafft, erzählt er im Interview.

Sebastian, wo bist du genau stationiert? Seit wann bist du dort und wie lange bleibst du?

Sebastian: „Ich lebe seit September in La Paz (Bolivien) und werde meine Arbeit hier Anfang Juli beenden. Danach geht es noch für zwei Monate auf Reisen.“

Absolvierst du quasi einen Auslandszivildienst? Warum in Boliven?

Sebastian: „Was den Auslandszivildienst angeht, muss ich sagen ja und nein. Es ist kein Gedenkdienst, wie man es normalerweise gewohnt ist, sondern ein FreiwilligesSozialesJahr (FSJ) wie man es auch in Österreich machen kann – nur halt im Ausland. Ermöglicht wird es durch die Organisation „Grenzenlos / ICYE Austria“. Damit meine Arbeit hier als Zivildienst anerkannt wird, muss ich bei einem, von Österreich akzeptiertem, Projekt mindestens 10 Monate aushelfen.
Eigentlich wollte ich nach Kolumbien, aber das aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. Die für mich noch attraktiven Alternativen waren Ecuador und Bolivien und ich entschied mich für Zweiteres, konkret La Paz, weil es die höchste “Hauptstadt” der Welt ist und die Gletscher sehr nahe gelegen sind.”

Was machst du dort genau? Wie sieht dein Alltag so aus?

Sebastian: “Ich arbeite in einem Jugendheim und arbeite dort mit Jungs. Ich helfe bei den Hausübungen, bastle mit ihnen und gegen Mittag gibt es immer ein gemeinsames Mittagessen. Danach begleite ich sie zur Schule. Der Nachmittag ist zur freien Verfügung und ich nutze ihn meist dazu, ins Volleyballtraining zu gehen oder mit meinen Kolleg:innen am Seil zu Klettern. Am Wochenende steht dann meistens irgendeine Bergtour, oder Entspannung an.”

Du hast bei einem Projektwettbewerb des CAP.finisherclubs mitgemacht und den ersten Platz erzielt. Dafür gab es eine Siegerprämie über 800 Euro. Wofür hast du das Geld verwendet?

“Ein Freiwilliger und ich sind auf die Idee gekommen, mit den Kindern Arduinos zu programmieren. Das Geld des Finisherclubs haben wir für den Ankauf des Materials verwendet, das wir in einem Roboticsshop im Stadtzentrum erworben haben. Zu Beginn gings einfach nur ums Kennenlernen der Thematik und Programmieren leichter Projekte. Mittlerweile haben wir das Format auf einen Wettkampf umgestellt. Das bedeutet, dass sie jede Woche eine neue Challange bekommen. Das Team, das die Aufgabenstellung am besten erfüllt, bekommt einen kleinen Preis. Wie die Challange aussieht, dürfen die Kinder auch mitentscheiden.”

Was sind deine größten Herausforderungen bei deiner Zeit im Ausland?

Sebastian: “Meine größte Herausforderung war vor allem zu Weihnachten das Heimweh, denn da fuhr meine Freundin wieder zurück nach Österreich. Mittlerweile glaube ich fast, dass das Wegfahren noch schwerer wird, als das Ankommen im September. Denn die Kinder sind mir schon sehr ans Herz gewachsen, ebenso Bolivien als Land.”

Was waren/sind bis dato deine schönsten Momente?

“Das Reisen mit meiner Freundin war, die mich extra besuchen gekommen ist, war großartig. Und besonders eindrucksvoll war die Besteigung von meinem ersten 6000er hier in La Paz. Aber ich genieße auch das gemeinsame Fußball- und Volleyballspielen mit den Heimkindern sehr.”

Magst du mir noch kurz genauer vom Wettbewerb des CAP.finisherclubs erzählen?

“Ein Kollege und ich hatten ja die Idee des Arduino-Projekts und haben es vor dem Wettbewerb des Finisherclubs schon einmal mit den Kindern ausprobiert. Als ich dann vom Wettbewerb gehört habe, habe ich mir gedacht, dass das die perfekte Idee ist, unser Projekt dort einzureichen. Und tatsächlich hat die Mehrheit der Finisher auch so gedacht. So erhielt ich die 800 Euro Projektförderung und die die Möglichkeit, meine Arbeit im Rahmen eines CAP.Talks beim SUMMIT vorzustellen. Ohne Unterstützung des CAP.finisherclubs hätte ich das Projekt nie in diesem Ausmaß umsetzen können und dafür bin ich sehr dankbar – die Kinder übrigens auch. Mittlerweile ist schon der Großteil vom Budget aufgebraucht, aber ein paar Projekte werden sich trotzdem noch ausgehen.”

Was sind deine Pläne, wenn du wieder nach Hause kommst?

“Ich möchte nach meiner Rückkehr bei der TGW Logistics als SPS-Inbetriebnahmetechniker zu arbeiten beginnen. Das bedeutet, dass ich die Anlagen (primär im Ausland) besuche und den fertigen Code auf die Anlage übertrage und danach Funktions- und Sicherheitsüberprüfungen durchführe (natürlich im Team).
Sollte es seitens TGW eine Zusage geben, werde ich bei der TGW bleiben und kein Studium beginnen. Natürlich hab ich überlegt, gleich ins Studium zu starten, aber ehrlich gesagt sehe dahinter keinen wirklichen Mehrwert, weil die TGW Logistics ein top Arbeitgeber ist  und zudem auch einige Fortbildungsmöglichkeiten anbietet. Und das Einstiegsgehalt ist auch nicht so schlecht. 😉”